Alltagsgegenstände werden zu Kunstobjekten – ein digitaler Kunstkatalog entsteht

Ein integratives Unterrichtskonzept von Ellen Deinet in einer 2. Klasse der Filderschule Stuttgart, das die Zielsetzungen des Bildungsplans bezüglich der Medienkompetenz innerhalb der Fächer Deutsch und Kunst/Werken in der Grundschule aufzeigt.

Ideenfindung zum Unterrichtskonzept
Inspiriert durch Werke von Hartmut Landauer (Ausstellung „Spirit“ in der Städtischen Galerie Ostfildern), die eine Art transformierte Wesen aus Alltagsgegenständen mit hoher Symbolkraft zu sein scheinen, sollte der erweiterte Kunstbegriff (s. BP-Leitgedanken) den Schülerinnen und Schülern durch eigenes künstlerisches Schaffen nähergebracht werden.
Des Weiteren diente das Bilderbuch „Was ist das?“, indem die Verfremdung von Alltagsgegenständen durch unterschiedliche Materialien fotografisch dargestellt wird, zum geeigneten Medium, um die künstlerische Intention Hartmut Landauers auf die Ebene von Grundschulkindern zu transferieren.
Durch Tablets mit der App BookCreator wurde letztendlich die technische Möglichkeit geschaffen, um den Verfremdungsprozess von Alltagsgegenständen zu Kunstobjekten (ohne komplizierte Verbindungsverfahren) im Klassenzimmer umzusetzen, zu dokumentieren und zu präsentieren.

Ablauf der fächerübergreifenden Unterrichtseinheit
Die kreative Auseinandersetzung mit Alltagsgegenständen sensibilisierte die Schülerinnen und Schüler auf die Bedeutsamkeit und Symbolkraft alltäglicher Fundstücke in ihrer Lebenswirklichkeit. Unter diesem Aspekt wurden die Objekte von Hartmut Landauer genau betrachtet und bewusst wahr-genommen. Dies gab den Impuls für das Suchen und Entdecken von Alltagsgegenständen.
Die Kinder brachten für sie bedeutsame Gegenstände aus ihrer Lebenswelt mit. Die Sammlung wurde durch die Lehrkraft ergänzt, um vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen.

Nun konnte der erste Arbeitsauftrag mit den Tablets umgesetzt werden. Jedes Kind suchte sich einen Gegenstand aus der Sammlung aus und fotografierte diesen. Dafür gab es Kriterien, damit die Qualität der Dokumentation gegeben war.

Um den Umgang mit der App BookCreator handlungsorientiert und entdeckend zu erlernen, eignete sich diese Aufgabe bestens, da wenige Schritte zum Erfolg führten und die Zielsetzungen erreicht werden konnten.
Ziele:
Wir sind heute Kunstbetrachter. Wir schauen ganz genau.
Wir sind Objektsucher. Wir finden einen für uns bedeutsamen Gegenstand.
Wir sind Fotografen. Wir fotografieren Gegenstände und präsentieren sie.

Die weiteren Stunden standen unter folgenden Zielsetzungen:
Wir sind Künstler. Wir verfremden Alltagsgegenstände zu Kunstobjekten.
Wir erstellen einen Kunstkatalog. Wir präsentieren unsere Kunstobjekte.

Dadurch wurde die Gestaltungsaufgabe unter einen fächerübergreifenden Aspekt gestellt, und zeigte den Schülerinnen und Schülern einen größeren Sinnzusammenhang auf.
Ein weiterer Impuls erfolgte durch das Bilderbuch „Was ist das?“ Hier wurden den Lernenden auf einfache Art und Weise Verfremdungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Die Lehrerin Ellen Deinet stellte ein vielfältiges Materialangebot (unterschiedliches Papier, Knet, Draht, Trinkhalme, …) zur Verfügung.

Nun konnten die Kinder, entweder alleine oder im Team, den Verfremdungsprozess auf kreative Art und Weise künstlerisch umsetzten und diesen, mithilfe der Tablets dokumentieren und später ihre Ergebnisse über den Beamer präsentieren. Die digitale Umsetzung ermöglichte das Entstehen von Kunstobjekten, die ohne komplizierte Verbindungstechniken von den Kindern auf kreative Weise gestaltet werden konnten. Jede Künstlerin und jeder Künstler entschied selbst, wie viele Fotos bis zum fertigen Kunstobjekt nötig waren.
Als letzter Schritt wurde der Text im Deutschunterricht verfasst und auf den Tablets getippt. So entstand zum Schluss ein kompletter Kunstkatalog, der für die Klassenbücherei für alle zur Verfügung stand. Die Fotos der einzelnen Kunstobjekte wurden für jede Künstlerin und jeden Künstler ausgedruckt, sodass jeder ein Foto seines Kunstwerks erhielt.

Reflexion
Ziel dieser Unterrichtseinheit war es, die Leitperspektive der Medienbildung und das didaktische Prinzip des fächerübergreifenden Unterrichts laut Bildungsplan umzusetzen. Durch die Verknüpfung von sachgerechtem Handeln und kreativem Gestalten mit Tablets wurde mit den Schülerinnen und Schülern der Umgang mit digitalen Medien eingeübt, reflektiert und somit in ihre Lebensgestaltung bewusst integriert.

Literatur:

  • Westermann, Deutsch Differenziert, Heft 1/2014, „Vom Foto zum Buch“, Christina Otto
  • Gerstenberg, „Was ist das“, Antje Damm

CC BY-ND 4.0 Ellen Deinet, Seminar Nürtingen